Die Ursprünge des Pfingstfestes reichen zurück bis in die altgermanische Mythologie. Die Religion der alten Germanen war eine reine Naturdichtung. Die Kräfte der Natur wurden von ihnen personifiziert und auf diese Weise schuf sich germanische Phantasie und Gemütstiefe eine Götterwelt, geheimnisvoll und tiefgründig, wie kaum ein anderes Volk. Ihre Götter wohnten nicht in steinernen Tempeln, sondern draußen in den tiefen, dunklen und schier undurchdringlichen Wäldern. Geheimnisvolle Waldschluchten, Lichtungen und verwitterte, sturmumwehte Höhen waren die Orte, wo sie ihren Göttern Opfer darbrachten. Noch lange nach der Christianisierung fühlten sich unsere Altvordern zu ihren alten heidnischen Göttern hingezogen und noch viel länger hielten sich die alten heidnischen Sitten und Gebräuche, wie eben unser Pfingstfest bis auf den heutigen Tag. Immer wieder kann man in alten Schriften nachlesen, dass sich bei der Bekehrung zum Christentum gerade die Sachsen besonders schwer taten. Schon der Indiculus, das war das Verzeichnis der abergläubischen Bräuche, erwähnt um 800 u.Z. einen heidnischen Umzug in zerrissenen Kleidern und Schuhen, den die Sachsen „Yrias“ nannten. Mit Yrias bezeichneten sie den Umzug zur Vertreibung des Winters. Und seit dieser Zeit fanden sich immer wieder auch hier in Hergisdorf heimatverbundene und bodenständige Burschen, die den alten Brauch weiter leben lassen und jedes Jahr neu beleben. Die Pfingstgesellschaften der Grunddörfer kann man völlig zu Recht als die ältesten Heimatvereine hier im Mansfelder Revier bezeichnen. Ab wann es nun eine wirklich fest organisierte Pfingstgesellschaft gab, darüber schweigt die Geschichte verbissen. Bekannt ist allerdings, dass im Hergisdorfer Kirchenbuch bereits im Jahre 1620 vermerkt wurde, dass der damalige Pastor Jacob Seifert (oder Seyffert) seinen Obolus für die Pfingstmaie bei den jungen Burschen entrichtet hatte.

Der Pfingsttanz wird von alters her von jungen Burschen des Dorfes veranstaltet. Der Amtmann allerdings, der jährlich neu gewählt wird, ist in der Regel ein älterer und verheirateter Mann. Jährlich gewählt werden auch der erste Vorstand sowie der Einschänker. Am Pfingstsonnabend geht es früh beizeiten in den Wald hinaus, um die vorher beim Förster bestellten Birken zu schlagen, Die Birke wird erst durch das Hereinholen zur Pfingstmaie. Am Nachmittag werden die Maien ausgetragen. Jeder Haushalt im Dorf bekommt eine. Voraus geht eine kurze Ansprache des dafür bestimmten wortführenden Burschen sowie ein Ständchen der dieses Ritual bekleidenden Kapelle. Nachdem das Familienoberhaupt den gekränzten Schnaps gekippt hat, gibt es eine kleine Gabe in die Sammelbüchse als Dankeschön für die Maie. Früher wurde vom Empfänger der Maie in der Regel sehr darauf geachtet, dass sich der Stamm nach dem Verblühen als „Wäscheschtewwel“ eignete.

Am ersten Pfingstfeiertag pünktlich um 10.00 Uhr beginnt der Frühschoppen, er endet genau Um 12.00 Uhr. Um 14.00 Uhr trifft sich die Pfingstgesellschaft vor der Gaststätte Erdmenger zum Umzug. Dort begrüßt man den Amtmann und Einschänker mit dem uralten Pfingstburschengruß, einem dreifachen „Gut Wetter“. Der Umzug geht durch die festlich geschmückten Dorfstraßen. Hinter der Kapelle marschieren die Läufer und dahinter die Pfingstburschen im weißen Hemd und schwarzer Hose. Der Umzug geht in Richtung alte Dorfgrenze zum Teichplatz. Dort trifft man sich mit der Kreisfelder Pfingstgesellschaft und mit einer kurzen Ansprache werden die Jubilare beider Pfingstgesellschaften geehrt. Danach wird der Umzug fortgesetzt. Am Abend beginnt der Tanz in der Turnhalle, die sich heute Mehrzweckhalle nennt. Zur allgemeinen Belustigung organisieren die Pfingstburschen einige teilweise sehr gekonnte Einlagen.

Die eigentliche Attraktion beginnt aber im Morgengrauen des zweiten Pfingstfeiertages. Vor Tau und vor Tage ziehen die Läufer in ihrer traditionell bunten Aufmachung durchs Dorf und wecken die Pfingstburschen, indem sie vor den Häusern ihrer Kameraden mit ihren kurzstieligen aber sehr langen Peitschen knallen, bis sich derjenige sehen lässt. Auf dem Festplatz vor der Turnhalle sammeln sich alle, und danach geht der bunte Zug in den Wald hinaus. Dort, auf dem angestammten Fleck gleich am Eingang der Wildbahn, auf einer geschützten Lichtung, beginnt dann das eigentliche Fest der Vertreibung des Winters. Bis 1958 war die Wildbahn der Festplatz für alle drei Pfingstgesellschaften: Ahlsdorf, Hergisdorf und Kreisfeld. Ahlsdorf feierte vorn auf der Wildbahn, Kreisfeld an der Kaisereiche und Hergisdorf etwas weiter hinten an der Försterspitze. Bereits nach dem Pfingsttanz 1958 bekam die Hergisdorfer Pfingstgesellschaft von dem von der SED-Kreisleitung gesteuerten Rat des Kreises Eisleben die rote Karte gezeigt, man durfte nicht mehr im Wald feiern. Die beiden anderen Pfingstgesellschaften teilten ein Jahr darauf dieses Los mit den Hergisdörfern. Nachdem die SED ihren vermeintlichen Sieg errungen und das Pfingstfest in seiner ursprünglichen Art verboten hatte, hielten die Hergisdorfer Pfingstburschen fest zusammen und taten fünf Jahre gar nichts. Irgendwie brachte die Hergisdorfer Bevölkerung ihren Unmut über dieses Verbot zum Ausdruck, so ist es zu erklären, dass im Jahr 1964 die federführenden Genossen klammheimlich klein beigaben, als sich die Hergisdorfer Pfingstburschen entschlossen hatten, ihr Fest wieder nach altem Brauch zu begehen. Nur wurde den zahllosen Gästen und Freunden des Pfingsttanzes der weite Weg bis zur Försterspitze erspart und der Festplatz etwas nach vorn an die Wildbahn verlegte. Dort beginnt die Vertreibung des Winters durch den Sommer. Den Sommer verkörpern die in weiß mit vielen bunten Accessoires gekleideten Läufer. Der Winter wird durch die sonderbar verkleideten und bemalten „Dreckschweine“ dargestellt. Auf dem Festplatz befindet sich eine so genannte Suhle, ein Schlammloch. Gleich nach dem Eintreffen beginnt dieses uralte, von allen erwartete Spiel, Pfingstburschen stoßen sich gegenseitig in den Schlamm, bis die Läufer mit ihren langen Peitschen dazwischen fahren und die Burschen aus dem Schlammloch vertreiben. Immer wieder gelingt es aber den Dreckschweinen in die Kuhle zu springen, bis dann endlich gegen Mittag die Läufer Sieger bleiben und damit der Sommer den Sieg über den Winter davongetragen hat. Mit diesem Sieg ist auch die Erneuerung der Natur und des menschlichen Lebens verbunden. Die Einwohner des Dorfes und ihre Gäste verzehren ihr mitgebrachtes Frühstück bei einem bis fünf oder zehn Glas Bier. Früher bis in die fünfziger Jahre, als die meisten Grunddörfler noch selbst ein Schwein fütterten und schlachteten, wurde am zweiten Pfingstfeiertag die „Schlackwurst“ 2 angeschnitten, der Schinken übrigens, wenn der Kuckuck das erste Mal gerufen hat. Gegen Mittag geht es gemeinsam wieder ins Dorf, und nach einer kurzen Mittagspause trifft sich alles wieder auf dem Festplatz. Diesmal sind die Pfingstburschen ganz in Weiß gekleidet. Wieder geht es mit Musik durchs Dorf und am Abend trifft sich alles wieder in der Turnhalle.

Am Pfingstdienstag treffen sich die Pfingstburschen zum Eiersammeln mit Musik. Ausgerüstet mit mehreren Wäschekörben geht es nun von Haus zu Haus. Gewöhnlich werden die Pfingstburschen schon erwartet und man bedankt sich bei ihnen mit kleinen Gaben, wie Wurst, Speck, Gurken und eben Eiern, sowie mit diesem und jenem Geldschein. Eigens dazu abgestellte Pfingstburschen braten dann im Vereinslokal „Mengers Gaststube“ in einer großen Pfanne Rührei. Ist der hungrige Rest der Gesellschaft dann eingetroffen, wird nicht sofort mit dem Verzehr begonnen. Erst müssen die neu in die Gesellschaft aufgenommenen und am zweiten Pfingstfeiertag „getauften“ Pfingstburschen auf Erbsen kniend, das Vaterunser fehlerfrei aufsagen. Am Nachmittag laden die Hergisdorfer Pfingstburschen nun schon zur traditionell die Rentner aus beiden Ortsteilen zum Kaffeenachmittag ein. Dieses Angebot wird von den älteren Menschen gern und dankbar angenommen. Man sitzt bei den Pfingstburschen eigenhändig kredenzten Kaffee und Kuchen in gemütlicher Runde bei Musik und Plauderei.

Am Freitag nach Pfingsten trifft sich alles zum Schürzenball. Alle Damen tragen nach altem Brauch Schürzen beim tanzen. Eine Jury beurteilt die Schürzen und die Besten werden mit Preisen belohnt.

Am Sonnabend nach Pfingsten, hier in den Grunddörfern „Kleinpfingsten“ genannt, wird noch einmal ein großer Umzug durch Dorf veranstaltet. Am Abend trifft sich alles zum Tanz in der Turnhalle. Die Stimmung steigt in der Regel durch künstlerische Einlagen der Pfingstburschen. Um Mitternacht wird in einem schaurigen Ritual der Pfingsttanz beerdigt, aber der Tanz geht weit bis ins Morgengrauen, so war es der Wille unserer Altvordern. Der Pfingsttanz war seit Menschengedenken bestimmten Leuten ein Dorn im Auge. Im frühen Mittelalter war es die Kirche, die mit den „Pfingstbiersäufern“ haderte, dann (im Jahre 305 auf dem Konzil von Elvira) das Pfingstfest auf sieben Tage ausdehnte in der Erwartung, sieben Feiertage bedeuten sieben Mal Kirchenbesuch und eben sieben Mal wohl gefüllter Klingelbeutel. Man hatte sich gründlich verrechnet, die Gotteshäuser blieben leer. Friedrich II., König von Preußen, ließ im Jahre 1773 den dritten Pfingstfeiertag abschaffen, ließ ihn aber dann klammheimlich wieder zu. Er war bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts der Tag der Waldpartie. In den fünfziger Jahren waren es die Bürokraten der SED-Kreisleitung, die gegen den Pfingsttanz wetterten und zumindest einen Teilerfolg verbuchen konnte, in dem sie die drei Pfingstgesellschaften spaltete, denn nur noch die Hergisdorfer Gesellschaft zieht hinaus auf die Wildbahn.

Kommentarfunktion ist für diese Seite nicht aktiviert..